Altersgrenze für FahrzeugführerInnen?

Am 4. Juli 2013 veröffentliche der Weser-Kurier folgende traurige Meldung:

„Eine Radfahrerin ist in Lilienthal bei Bremen von einem Auto gerammt und getötet worden. Ihr dreijähriger Sohn auf dem Kindersitz überlebte.“

Ich bin selbst sehr stolzer Vater eines zweieinviertel Jahre alten Sohnes und überzeuter Radfahrer. Mir wurde mir beim lesen dieser Meldung erst einmal schlecht. Einmal über die Ampel, selbst alles richtig machen, und schwupps, ist die Familie zerstört. Die Mutter tot, das Kind schwer verletzt, vielleicht mit bleibenden körperlichen Schäden für die Zukunft. Auf jeden Fall muss das Kind ohne Mutter aufwachsen, allein dies ist schon dramatisch genug. Und der Vater, von dem ich mal annehme, dass es ihn gibt, was muss in ihm vorgehen? So wie ich ist er vielleicht am Morgen zur Arbeit gefahren, hat sich von Frau und Kind verabschiedet, und dann kommt irgendwann der Anruf der Polizei mit der schlechten Nachricht. Gruselig!

Schon oft wurde diskutiert, ob es grundsätzliche Altersgrenzen für das führen von PKWs geben sollte. Verbände wie der ADAC argumentieren dann oft mit Unfallstatistiken, die ausweisen, dass Menschen höheren Lebensalters weniger in Unfälle verwickelt sind als jüngere Menschen. Das mag stimmen, solange man vielleicht die 65-75-jährigen gesunden Menschen mit einbezieht. Doch andererseits ist auch unstrittig, dass es ein biologisches Alter gibt, dass immer mehr zum Verfall der Wahrnehmungsfähigkeit, der Signalverarbeitung und der körperlichen Möglichkeiten zur korrekten Reaktion führt. Das ist nicht zwingend an das Alter im Personalausweis gekoppelt, doch mit über 80 ist doch zu erwarten, dass man nicht mehr so fitt ist wie ein Mensch mittleren Alters.

Es gibt in vielen europäischen Ländern nach einer schönen Übersicht von 50plus.at Altersgrenzen, nach deren Erreichen die Fahrerlaubnis nur noch befristet nach ärztlicher Untersuchung verlängert wird. Diese sind teilweise überraschend streng. Dort steht z.B. für Dänemark 70 Jahre plus kurze Verlängerung.

84jährige Menschen sollten kein Gerät mehr im öffentlichen Raum bewegen dürfen, das eine Tonne wiegt und locker 30 Meter pro Sekunde zurücklegen kann. Das ist Leichtsinn, das ist nicht verantwortlich, das ist fahrlässig. Sollte die Todefahrerin aus Lilienthal schon vorher wegen unsicherer Fahrweisen aufgefallen sein, sei es Nachbarn, Freunden, der eigenen Familie oder der Polizei, dann hat jeder, der sich nicht bemüht hat, ihr die Fahrerlaubnis zu entziehen, eine Mitschuld an der Zerstörung einer jungen Familie!

Ich erinnere mich sehr gut daran, wie schwedischer ein Bekannter von mir mit etwa 75 Jahren seine Fahrerlaubnis abgeben hat, weil er nicht mehr konnte. Und das, obwohl er mit dem Auto nur noch 3 Kilometer zwischen seinem Haus und seinem Sommerhaus in den Schären auf wenig befahrenen Nebenstraßen zurückgelegt hat. Er hat seine persönliche Freiheit, die von Autofahrern in Deutschland so unendlich hoch geschätzt wird, freiwillig beschränkt, um keine anderen Menschen in Gefahr zu bringen. Das war vernünftig, und so sollte es jeder und jede machen, wenn er oder sie merkt, dass es nicht mehr geht.

Leider funktioniert bei uns Freiwilligkeit im großen Maßstab nicht.

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