Kapitel 1: Einführung

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Die Wege im Internet

„Das Internet“ besteht aus zahlreichen Computer, Datenbanken, Kabeln, Satellitenverbindungen, Rechenzentren, Büros, Schaltschränken und auch dem Gerät, mit dem du dir diesen Text anschaust. Dein Gerät ist also Teil des Internets, du bist jetzt „im Internet“ oder „online“. Und das, was du siehst, sind von deinem Gerät aufbereitete Daten, die von irgendwo her im Internet zu dir gekommen sind. Daten sind für die Geräte im Internet zunächst mal Folgen von Nullen und Einsen, aus denen dann Buchstaben, Zahlen, Bilder, Filme oder Töne werden.

Genauso, wie in der normalen Welt („im wirklichen Leben“, engl. „in real life“, abgekürzt IRL), hat jeder Teil des Internet eine Postadresse. Von jeder Adresse können Daten an jede andere Adresse geschickt werden, genauso wie man IRL Pakete von jeder Adresse an jede Adresse senden kann. Diese Pakete können alles mögliche enthalten: Zeitungen, Versandhauskataloge, Briefe, Autoteile, Lebensmittel usw. Genauso können Datenpakete auch völlig unterschiedliche Inhalte besitzen. Mit ihnen können persönliche Texte („E-Mail“), digitale Versandhauskataloge, Musikstücke, Videos, Nachrichten, Bestellungen und viel mehr übertragen werden.

Bei der Postverteilung ist klar, wie der Verteilweg geht: Der Brief wird geschrieben, landet im Briefkasten und wartet auf Abholung. Die geschieht ein paar Mal pro Tag. Der Brief (z.B. von Bremen nach Hannover) wird dann im lokalen Briefverteilzentrum mit anderen Briefen an die selbe Zielregion zusammensortiert. In einem Postsack mit allen Briefen von Bremen nach Hannover wird dann die größte Entfernung zurückgelegt. In Hannover werden die Briefe dann nach Verteilbezirken aufgeteilt und landen schließlich in Wagen der Postbotin, die sie jedem einzelnen Empfänger im Briefkasten zustellt.

Gar nicht so unähnlich sieht das im Internet aus. Statt Briefkästen, Briefverteilzentren usw. gibt es andere Komponenten: Den eigenen Computer, der eigene Router, die Telefonleitung bis hin zu den großen Knoten im weltweiten Internet.

Datenwege im Internet, Prinzipskizze, CC by-nc-sa Jens Kube/vielraum.de

Datenwege im Internet, Prinzipskizze, CC by-nc-sa Jens Kube/vielraum.de

In der Abbildung sind verschiedene Wege eingezeichnet, die ein Datenpaket nehmen kann. Du sitzt mit deinem Endgerät in jedem Fall oben rechts. Der Datenweg grün–hellblau–rot ist ganz typisch für eine innerdeutsche Videoverbindung. Dein Computer sendet die Daten über dein Funknetz (das auch WLAN genannt wird) und die Telefonleitung zu einem lokalen Verteilerzentrum, etwa für deine Stadt. Von dort geht das Paket zum Verteilerzentrum der Stadt des Empfänger und über die Telefonleitung an den PC der Gegenstelle.

Etwas anders sieht das aus, wenn der Empfänger in einem anderen Land sitzt. Dann wird das Datenpaket über einen der weltweiten Übergabepunkte und über ganz große Glasfaserkabel von Kontinent zu Kontinent transportert.

Wenn der Empfänger kein Endrechner ist (und das ist er in den allermeisten Fällen nicht, auch nicht beim Versand von E-Mail!), dann läuft das Datenpaket am Ende über den dunkelblauen Pfad, vom lokalen Verteilerzentrum zu einem Rechenzentrum. Dort stehen hunderte oder tausende von Computern, die rund um die Uhr laufen um Daten zu empfangen und zu senden. Solche Computer nennt man auch „Server“ (ausgesprochen Sörwa, engl. für „Diener“). Dein Computer ist in diesem Sinne ein „Client“ (ausgesprochen Klaient, engl. für „Kunde“).

Eine E-Mail („Ih-Meyl“) wird von dir zunächst an einen Server gesendet, auf dem sie darauf wartet, dass der Empfänger sie abruft. In unserem Bild geht sie also zunächst den Weg grün–blau und wird auf dem Server gespeichert. Wenn der Empfänger nachschaut, ob neue Post gekommen ist, sendet er eine Anfrage auf dem Weg rot-blau an seinen Mail-Server, der daraufhin die E-Maill über blau–rot an den Empfänger zustellt.

Jede aktive Komponente im Internet hat eine eindeutige Adresse, also jeder Computer, jeder Router, jeder Server. Diese Adresse heißt „IP-Adresse“ und besteht aus vier Zahlen zwischen 0 und 255. Der Server, auf dem dieser Text hier abgespeichert ist, heißt 80.237.132.65. Die Adresse liest sich dabei vom Großen zum kleinen, also sowas wie Land.Stadt.Straße.Hausnummer, wobei der Vergleich nicht ganz richtig ist – viele Länder haben mehrere Nummern in der ersten Stelle, weil es dort so viele Computer gibt.

Weiter zum nächsten Kapitel: das WWW…

Glossar

  • WLAN Funknetzwerk, engl. „Wireless Local Area Network“, wörtlich „kabelloses lokales Netzwerk“.
  • LAN Wie WLAN nur mit Kabel, „Local Area Network“, „lokales Netzwerk“
  • Router (gesprochen „Ruhter“) Gerät, dass Datenpaketen die richtige Richtung zum Ziel gibt. Auf seinem Weg passiert ein Datenpaket zahlreiche Router.
  • WAN Netzwerk über große Strecken, engl. „Wide Area Network“, wörtlich „weiträumiges Netzwerk“
  • Austauschpunkt global wichtige Knotenpunkte des Internets, an denen die Verbindung zwischen verschiedenen WANs hergestellt werden – technisch gesehen sehr großer Router
  • Client Computer des Endnutzers
  • Server in der Regel rund um die Uhr laufender Computer in einem Rechenzentrum
  • Internet das Internet besteht aus allen weltweit miteinander verbundenen LANs, WLANs, Routern, Computern (Clients und Servern), und dem WAN (bzw. den verschiedenen WANs, die über die Austauschpunkte miteinander verbunden sind).